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Schlicherum

Der Ortsname

Nach 1293 (Slicheym) finden sich für den Siedlungsort Schlicherum die Namen: Schlicheym, Slichem, Sleicheym, Slychenem, Slicherheym (1544) und Schlickerem im Kirchenspiel Rosell (1568).Der heutige Name taucht erstmals in der Chronik des Rosellener Pfarrers Isenberg 1603 auf. Bei dem Bestimmungswort Schlich- (Slich, Sleich, Slych, Schlic, Slicher, Schlick, Schklich-) besteht Zusammenhang mit Niederdeutsch slick, hochdeutsch Schlick = Schlamm, Morast. Im Grundwort -erum (-kum, -kom, -heym, -erem) steckt das Siedlungswort -heim. Die als die ältesten fränkischen Ortsnamen im heutigen Kreisgebiet gelten. Sie gingen üblicherweise aus Einzelhöfen hervor und lassen auf eine Besiedlung während des 5. – 7. Jahrhunderts, in Ausnahmen auch bis zum 9. Jahrhundert schließen.

Aufgrund sprachgeschichtlicher Vergleiche und der umgebenden heim-Namen kann man davon ausgehen, dass sich der Siedlungsname „Schlicherum“ aus Slikeroheim , einer Einzelhof-Ansiedlung in feucht-sumpfiger Umgebung, entwickelt hat. Er ist damit sinnverwandt mit der ursprünglichen Bedeutung des unmittelbar benachbarten Rosellen. Die Gegend wurde als Viehweide benutzt, die oftmals im Winter und in nassen Sommern unter Wasser stand. „Schlicherum“ beinhaltet das feuchte Siedlungsgebiet in den Schlingen der Norfbachaue, das das vor der Norfbach Melioration (Begradigung) 1844-1849 noch teilweise eine sehr sumpfige Bruchlandschaft war. Auf einer topographischen Karte von 1805 sind die Schlicherum umgebenen feuchten Wald, Niederwald und Ödlandgebiete noch gut erkennbar.

 

Die Ortsgeschichte

Eine erster Schriftlicher Hinweis auf den Ort Schlicherum findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1293. Gerhard von Schlicherum heiratete Hildegund von den Dornen. Im gleichen Jahr wurde ein Hof in schlicherum aktenkundig. Gerhard von Schlicherum und seine Frau verkauften der Deutschordenskommende St. Katharina in Köln eine Manse (ca. 32 ha) nebst dem Hof, Genannt zu Dornen im Dorfe Schlickum (Slicheym) in der Pfarrei „Nieuenheim“. Der Namensursprung lässt auf eine Hofgründung unter Merowingern oder Karolingern im Mittelalter 7.-9. Jahrhundert schließen. Ähnlich wie in Allerheiligen war dann diese Hofgründung der Ausgangspunkt der späteren Ansiedlung.

Bis zum Jahre 1794 gehörte Schlicherum zum kurkölnischen Amt Hülchrath und wurde unter französischer Verwaltung ein Teil der Commune Rosellen in der Mairie de Norf. Nach Abzug der Franzosen gehörte Schlicherum weiterhin zur gemeinde Rosellen und kam mit dieser zur Bürgermeisterei Norf; die 1927 in Amt Norf umbenannt wurde. Seit 1975 gehört Schlicherum als Wohnplatz zum statistischen Neusser Bezirk oder Stadtteil Rosellen. 2008 hatte Schlicherum 720 Einwohner. Ab 2010 entstanden aber im Schlicherumer Innenbereich „Römerweg“ ein Neubaugebiet womit die Einwohnerzahl auf über 1000 stieg.

Die Schlicherumer Antoniuskapelle ist mit ihrer Barockarchitektur und dem barocken Marienaltar ein Kleinod. Die ursprüngliche Marienkapelle wurde im Jahr 1635 zum Dank für die Verschonung von der damals grassierenden Pestepidemie errichtet. Von Anfang an war der heilige Antonius Eremita der Mitpatron. Der von jeher von bei der bäuerlichen Bevölkerung der Region als „Ferkes Tünn“ sehr verehrte Schutzheilige gegen Rinder und Schweinepest wurde immer beliebter und verdrängte das Marienpatrozinium. Als zentrales Datum gilt der 17 Januar, das Fest des hl. Antonius. An diesem Tag treffen noch bis heute Fußpilger, meist Bauern aus der Gemeinde Rosellen, Hoisten und Norf zu einem Gottesdienst ein, der nicht selten in dem Dorfe ansässigen Kneippe, am späten Abend endete. Auch während des übrigen Jahres ruft die kleine Glocke regelmäßig noch zu Gottesdiensten und Andachten ins Schlicherumer Kapellchen. Im Jahre 1986 wurde die kleine Glocke vom „Bömmelclub“ wieder in gang gebracht, der sich auch um den Erhalt und die Pflege der Kapelle kümmert.

Seit 1985 befindet sich auch das Neusser Berufsförderungszentrum, aus dem auch die Schlicherumer Dienste entstanden, im kleinen Ortsteil im Neusser Süden. In seinen Werkstätten in einem renovierten Bauernhof auf der St. Antonius Straße wird ein breites Spektrum an Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und -eingliederung benachteiligter Personen, schwer vermittelbaren Jugendlichen und Migranten in den Arbeitsmarkt geboten.

 

Quelle: "Die Straßen von Neuss" von Jens Metzdorf (Hrsg) Stadtarchiv Neuss